Standardrolle "Beginner/in"
Abschnittsübersicht
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Immer wieder trifft man im Moodle-Support auf Lehrende, die neu im System sind und von der Komplexität und großen Auswahl an Aktivitäten überfordert sind. Dieses Problem ist der Ausgangspunkt für die Frage: Wie kann man die Komplexität des Systems für neue Nutzende verringern, ohne die Auswahl für alle Lehrenden einschränken zu müssen. Und wie können diese Nutzende selbstständig zwischen dem "Schwierigkeitsgrad" in der Bedienbarkeit wählen?
Die Idee war es eine Rolle "Beginner/in" zu entwickeln, die nur auf wenige, ausgewählte Aktivitäten Zugriff hat. Über den selbstständigen Wechsel in eine Rolle "Beginner/in", würden der Lehrperson ausschließlich diese Aktivitäten angezeigt werden. Die Komplexität des Moodle-Systems verringert sich, ohne dass es für alle Nutzenden angepasst werden müsste. Wenn die Lehrperson sich besser im System auskennt oder eine Aktivität nutzen möchte, die nicht in der Auswahl enthalten ist, könnte diese in ihre Ausgangsrolle "teacher" zurück wechseln und hätte wieder Zugriff auf alle Aktivitäten.
So einfach, so gut, doch eignet sich der Weg über die Rolle für dieses Szenario? Was müsste dabei beachtet werden und welche Aktivitäten sollten in der Auswahl eingeschlossen sein? Diese und weitere Fragen haben wir auf der MoodleMoot DACH 2026 mit euch diskutiert und sind zu folgenden Ergebnissen gelangt:
Verringerung der Komplexität über eine Rolle "Beginner/in"Das Anlegen einer "Beginner/in"-Rolle ist nur mit einem ausgereiftem Konzept, welches den Bedarfen der einzelnen Hochschule und ihrer Fakultäten entspricht, möglich. Dabei sollten die Möglichkeiten der technischen Umsetzung betrachtet und Überlegungen zur Usability getätigt werden. Doch welche Anforderungen müsste die Rolle aus Nutzenden-Perspektive erfüllen? Um die Komplexität für Lehrende zu verringern, muss der Blick zwangsläufig auf die Usability der Aktivitäten gelegt werden. Dabei sollten folgende Punkte beachtet werden: Welche Aktivitäten sollten mit der Rolle erstellt werden können und welche nicht? Braucht es unterschiedliche Konzepte für die einzelnen Fakultäten? Welche Schwierigkeiten könnten Lehrende mit der Rolle haben?
Hilfreich können in diesem Fall unsere Überlegungen zum Einstieg in den Moodle-Lifecycle sein. Es handelt sich um eine Workshop-Reihe, die die Lehrenden in die Arbeit mit Moodle einführt. Ausgerichtet ist die Workshopreihe an den unterschiedlichen Phasen eines Moodle-Kurses. Angefangen bei den grundlegenden Funktionen, wie das Kennenlernen der Moodle-Oberfläche oder des eigenen Profils, lernen Teilnehmende, Arbeitsmaterialien in Moodle zur Verfügung zu stellen und grundlegende Lernaktivitäten in ihren Moodle-Kurs einzubinden. An diesen Überlegungen, welches Moodle-Wissen Anfänger*innen brauchen, könnte sich auch die Rolle orientieren. Dazu gehören zum Beispiel einfache Aktivitäten, die die Grundfunktionen für die Lehre erfüllen, wie der Dateiupload, das Anlegen eines Forums und das Hinterlegen von Links. Komplexe Aktivitäten wie die Datenbank, die Lektion oder auch Gruppenfunktionalitäten, die mitunter Wechselwirkungen mit anderen Einstellungen im Kurs haben können, sollten für die neue Rolle ausgeschlossen werden.
Dass die Auswahl der Aktivitäten mitunter nicht so einfach ist, wird am Beispiel von H5P deutlich. Dort stellt sich zunächst die Frage, ob ein Zugriff auf das Plugin oder den Core erfolgt, wenn denn im Moodle-System beide Varianten vorhanden sind, und welche der vielen Inhaltstypen freigegeben sein sollten. Eine Orientierung, welche Aktivitäten für den Beginn geeignet sind und warum, bieten insbesondere der Onboarding Kurs "Moodle I" und "Moodle II- Lernaktivitäten".
Logischerweise ist der technische Ausgangspunkt für eine "Beginner/in"-Rolle zunächst die "teacher"-Rolle, welche man dann durch die Wegnahme von Berechtigungen einschränkt. Da die Rolle "student" über andere Berechtigungen verfügt, die für Lehrende in der Kurserstellung nicht relevant sind, ist diese nicht geeignet. In einem System mit vielen Plugins bedeutet es zunächst, dass es viele Berechtigungen gibt, die es für die Einschränkungen der Rolle zu überprüfen gilt. Die Berechtigungen der Rolle an die Anforderungen gründlich anzupassen ohne Wechselwirkungen zu erzielen, ist je nach System ein hoher Aufwand. Der Vorteil der Arbeit mit einer zusätzlichen Rolle ist jedoch die Möglichkeit, die Rolle mit ihren Berechtigungen im Nachgang zu verändern oder auch zu löschen, ohne dass sich für die Lehrenden etwas in der "teacher"-Rolle ändert.
In der Diskussion auf der MoodleMoot DACH 2026 wurde klar, dass der Weg, die Auswahl der Lehrenden über die Rolle einzuschränken bedeutet, dass auch didaktische Entscheidungen getroffen werden müssen, denn die Anforderungen an eine "Beginner/in"-Rolle würden sich mit der Zuordnung an bestimmte Fachbereiche ändern. Mitunter würde dies bedeuten nicht nur eine, sondern mehrere Rollen anlegen zu müssen.
Neben der didaktischen Auswahl, bedarf es zusätzlich der Erstellung von Supportmaterialien. Da viele Lehrende die Möglichkeit des Rollenwechsels nicht kennen, müsste auf diesen beispielsweise über die Blockeinstellungen hingewiesen werden. Der Personal- und Schulungsaufwand wäre, bei dem Weg über die Rollen zu gehen, sehr hoch und fehleranfällig.
Schnell stand die Frage im Raum, ob es an dieser Stelle nicht einfacher wäre, die Lehrenden das System im Sandkasten, als einem Raum, der Fehler verzeiht, kennenlernen und ausprobieren zu lassen? Oder die Komplexität der Kurserstellung über Kurstemplates zu reduzieren?
Verringerung der Komplexität über Kurstemplates, Schulungen und Empfehlungen in der AktivitätsauswahlEin guter Vorschlag ist es, die Nutzenden den Kurs gar nicht von Null aufbauen zu lassen, sondern Templates vorzugeben, um den Einstieg zu erleichtern. Diese Templates könnten Grundaktivitäten mit bereits festgelegten, empfohlenen Voreinstellungen umfassen. Diese Lösung erweist sich als deutlich praktikabler, da keine Rollen- und Berechtigungskonflikte zu erwarten sind. Lehrende können selbst entscheiden, ob sie eine Vorauswahl möchten, und hätten trotzdem die Möglichkeit zusätzliche Aktivitäten zu wählen, ohne die Rolle wechseln zu müssen.
Ein Vorteil bei der Nutzung von Templates wäre außerdem, dass diese barrierefrei und gut strukturiert gestaltet sein können. Lehrende können sich so maßgeblich auf die Inhalte und nicht die Form vom Kurs konzentrieren. Didaktisch besonders ausgereifte Templates wurden während des 3. LMS-Communitytreffens in der Session "Kurstemplates - Entwicklung und Erfahrungen aus dem Piloteinsatz (Valentin Koser, RWTH Aachen)" vorgestellt. Die Präsentation sowie die MBZ-Dateien der Kurstemplates befinden sich im "Protokolle-Ordner > 3. LMS-Communitytreffen" auf unserer Webseite.In der Diskussion während der MoodleMoot 2026 zeigte sich, dass manche Hochschulen auch den Weg gehen, besondere Funktionen in Moodle erst nach einer Schulung über eine zusätzliche Rolle freizuschalten. Zum Beispiel erhalten Lehrende die Möglichkeit der Einschreibung per Liste erst, wenn sie einen bestimmten Workshop oder eine Kurz-Schulung mitgemacht haben. Nach dieser Schulung erhalten sie dann über eine erweiterte Rolle die Möglichkeit, die neue Funktion zu nutzen. So können Funktionen in Moodle, die ggf. bei der Nutzung von weniger erfahrenden Nutzenden erhöhten Support Aufwand erzeugen, durch präventive Maßnahmen reduziert werden.
Ebenfalls ist es möglich, in den Admin-Einstellungen eine Auswahl an Aktivitäten und Materialien zu treffen, die dann Lehrenden bei der Anlage von Aktivtäten empfohlen werden. Angezeigt werden diese dann in der Aktivitäts- und Materialauswahl neben ihren persönlichen Favoriten und der Auflistung von A-Z . Der Vorteil gegenüber einer "Beginner/in"-Rolle wäre, dass Lehrende keine Rolle wechseln oder einen gesonderten Weg gehen müssten. Stattdessen legen sie Aktivitäten und Materialien wie gewohnt an.